Der erste Bundespräsident, Prof. Dr. Theodor Heuss, war der Ansicht, dass Münster die schönste Stadt Deutschlands vor dem II. Weltkrieg gewesen sei. Mittlerweile wurde sie aus über siebzig Bewerbungen vergleichbarer Städte (200 000 - 700 000 Einwohner) zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. Sie gilt als vorbildliche Fahrradstadt in Deutschland und zählt zu den kinderfreundlichsten Städten in Nordrhein-Westfalen. Mit ihrer periodischen Skulpturenausstellung macht sie nicht nur der Dokumenta in Kassel Konkurrenz, darüber hinaus wirbt sie mit dem renommierten Picasso-Graphik Museum. Ein Lob erhielt die Stadt auch wegen der Ausschreibung vieler Architektenwettbewerbe.
Was macht diese Stadt aus, die ihr 1200-jähriges Stadtjubiläum bereits seit 2003 hinter sich hat, von einer kleinen Siedlung zur Hansestadt wuchs, in der durch Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 europäische Geschichte geschrieben wurde, die 1771 Universitätsstadt und nach 1815 Hauptstadt der Preußischen Provinz Westfalen wurde? Welche historischen Faktoren waren nach der Kriegszerstörung ausschlaggebend für das denkmalpflegerische traditionelle Festhalten an gewachsenen Strukturen oder das Verlassen solcher mit der Hinwendung zum unverwechselbaren Neuen, insbesondere ab dem Wiederaufbau bis in jüngste Zeit (wurde doch der Wiederaufbau zunächst in der Fachwelt belächelt, gilt er heute international beispielhaft für den Umgang mit baulicher Geschichte)? Eine ähnliche Fragestellung gilt auch für den denkmalpflegerischen Umgang mit Einzeldenkmälern nach dem Krieg (warum wurde z.B. der zerstörte Erbdrostenhof teilrekonstruiert, während der Romberger Hof lediglich als Ruine in den Neubau des Theaters einbezogen wurde).
Der Vormittag dient der Vermittlung bauhistorischer Stadtentwicklung bis in die Gegenwart als Grundlage denkmalpflegerischen Handelns für Strukturen und Einzelbauten. Nachmittags erfolgt eine Begehung der Innenstadt mit Erörterungen der Entscheidungsfindungen aus denkmalpflegerischer Sicht.
Referent
Dr. R. Borgmann
Kosten
120,-- EURO für Mitglieder der AKNW
240,-- EURO für sonstige Teilnehmer